Sonnenschutzglas im Check: Verwendung, Qualität & Kosten

Autor: Franz Wächter
  • Glas-Experte

Die Zahl der Hitzetage hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen, daher ist Dämmung das zentrale Thema im modernen Fensterbau. Räume, die im Sommer übermäßig aufheizen, beeinflussen nicht nur Ihr Wohlbefinden. Die Kühlung durch Klimaanlagen ist energieaufwendig und teuer. Eine Sonnenschutzverglasung ist daher eine sehr sinnvolle Investition – für Ihr Budget und für die Umwelt.

Was ist Sonnenschutzglas?

Sonnenschutzglas ist ein speziell beschichtetes Glas, das sichtbares Licht zu großen Teilen durchlässt. Andere Teile des Lichts, die wir mit dem Auge nicht sehen können, gelangen nicht durch die Scheibe. Insbesondere die energiereiche sogenannte nahe Infrarotstrahlung wird reflektiert.

Das ist eine clevere Lösung, denn zuviel Sonnenenergie kann problematisch sein. Die Räume heizen sich stark auf und müssen durch Klimaanlagen gekühlt werden.

Mit modernen Sonnenschutzgläsern stellt man selektiv ein, welche Sonnenstrahlen das Glas gelangen. Das sichtbare Licht geht – sozusagen maßgeschneidert – durch die Scheibe hi. durch. Das Ziel ist, möglichst viel Helligkeit hereinzulassen Das Zimmer bleibt schön und licht, nur das Nahinfrarot wird reflektiert.

Frühere Sonnenschutzgläser hatten eine Beschichtung, ähnlich wie die einer Sonnenbrille. Die bräunliche Färbung ließ wenig Wärmeenergie hinein, aber auch wenig Licht. Moderne Sonnenschutzgläser dagegen sind sehr lichtstark.

Der g-Wert beim Sonnenschutzglas

  • Der g-Wert, der Gesamtenergiedurchlassgrad gibt an, wieviel Sonnenenergie insgesamt durch eine Verglasung hindurchgelangt. Es ist ein Wert zwischen 0 und 1 oder 0 % und 100 %. Der g-Wert setzt sich aus zwei Teilen zusammen.

Die erste Komponente ist die direkte Energietransmission. Das ist die Sonnenstrahlung, die sofort durch die Scheibe hindurch in den Raum gelangt und diesen aufheizt.

Die zweite Komponente funktioniert indirekt, die Strahlung heizt zunächst die Verglasung auf. Diese gibt die Wärme in einem zweiten Schritt in das Gebäude ab.

Bei normalen Gläsern überwiegt die direkte Energietransmission. Der Unterschied zwischen direkter Energietransmission und g-Wert ist nicht groß.

Beispiel einer Berechnung

Der g-Wert einer Standardisolierscheibe liegt bei 0,65. Es gelangen 65 % der Sonnenenergie in den Raum. Ein g-Faktor von 0,25 bedeutet, dass nur 25 % – ein Viertel – der gesamten Sonnenenergie durch das Glas gelangt. Je niedriger der g-Wert, desto kleiner der Energieeintrag. Somit ist auch der Temperaturanstieg durch die direkte Sonneneinstrahlung geringer.

Es viele Verglasungen mit unterschiedlichen g-Werten. Mit moderner Sonnenverglasung ist genau justierbar, wie viel Sonnenenergie durch ein Glas kommt.

Vorteile von Sonnenschutzglas gegenüber einer Beschattung

  • Dach- oder Dreiecksverglasungen können einfach mit Sonnenschutzglas ausgerüstet werden.
  • Der Sonnenschutz hat die optische Wirkung von Glas und fällt wenig auf.
  • Keine hässlichen Beschattungsanlagen oder Gestelle auf dem Dach.
  • Im Verhältnis zu einer Beschattung meist deutlich günstiger. Insbesondere schwer zugängliche Stellen sind nur mit hohem technischem und finanziellem Aufwand durch Markisen o. Ä. beschattbar.
  • Keine Stromzuführung
  • Kein zusätzlicher Reinigungs- und Wartungsaufwand.

Nachteile von Sonnenschutzglas gegenüber einer Beschattung

  • Auf einer vollen Südseite reicht Sonnenschutzglas an heißen Sommertagen nicht aus.
  • Die Lichtstrahlung kommt hinein, man hat pralles Sonnenlicht.
  • Der Sichtschutz, den man gerade bei Wintergärten oder in Wohnräumen möchte, fehlt.
  • Im Winter wird die Wärmeenergie durch das Sonnenschutzglas herausgefiltert.

Für letztgenanntes Problem gibt es bereits Sonderlösungen, sogenannte schaltbare Gläser. An die Beschichtung wird eine Spannung angelegt und so der Energiedurchlass gesteuert. Eine spannende, aber kostenintensive Alternativlösung.

Wo wird Sonnenschutzglas verwendet?

Sonnenschutzglas kommt insbesondere zum Einsatz, wenn aus der Architektur heraus keine separaten Sonnenschutzkonstruktionen gewünscht sind.

  • Bei einer puristischen Bauform
  • Im normalen vertikalen Fassadenbereich
  • Für großflächige Verglasungen
  • Beim Neubau oder Austausch von Fenstern im Standardabmessungen
  • Beim Neubau oder Renovierung eines Wintergartens
  • Auf Terrassen
  • In Dachgauben und Dachverglasung (Glasüberdachungen)
  • Für denkmalgeschützte Fassaden ohne außenliegenden Sonnenschutz
  • In der Grenzbebauung (das Glas befindet sich direkt an der Grundstücksgrenze)
  • Bei Beschattungsflächen mit Sonderformen

Wann lohnt sich ein Sonnenschutzglas

Sonnenschutzglas ist eine gute Idee, sobald durch ein Fenster Sonnenlicht fällt. Die Helligkeit des Sonnenlichts wird praktisch nicht beeinträchtigt, aber die Räume heizen nicht stark auf.

Sonnenschutzglas ist nicht nur Wind- oder Windschutz und erfüllt Sicherheitsfunktionen. Es erweitert die architektonische Vielfalt. Sie bieten für alle Glasdachformen eine Möglichkeit, Hitze abzuhalten.

Tolle Dachkonstruktionen können hitzesicher konstruiert werden. Wintergärten müssen nicht rechtwinklig gestaltet werden, Erker oder Türmchen sind möglich. Überdachte Terrassen können bei Regen genutzt werden. Das Sonnenschutzglas minimiert zuverlässig die Sonnenenergieeinstrahlung.

Hitzeschutz inklusive Sonnenschutz – für wen lohnt es sich?

Sonnenschutzgläser sind sinnvoll bei Sanierung und beim Neueinbau von Fenstern und ideal für Wintergärten und Terrassen. Sie erlauben ausgefallene Dachkonstruktionen und kommen zum Einsatz, wenn keine zusätzliche Beschattung möglich oder gewünscht wird. Daneben verlangt das GEG (Gebäudeenergiegesetz) für Gebäude bestimmte Werte der Wärmeisolierung.

Moderne Sonnenschutzgläser spielen in der heutigen Architektur eine große Rolle. Sie besitzen eine große Selektivität und reflektieren bei hoher Lichtdurchlässigkeit sehr viel Sonnenenergie zurück.

Für Architekten ist zudem die Farbneutralität entscheidend. Nicht nur helle Räume mit angenehmem Raumklima sind wichtig. Große Fassaden mit Sonnenschutzverglasungen müssen schön aussehen. Keinesfalls dürfen sie spiegeln oder in verschiedenen Farben schillern.

Ein Problem bei Sonnenschutzgläsern kann sein, dass im Winter die Räume nicht genügend durch das Sonnenlicht erwärmt werden. Es gibt Sonnenschutzgläser, die außen und innen beschichtet sind. Sie isolieren hervorragend, reflektieren die Sonnenwärme zurück, aber halten die Wärme des Raumes im Inneren. Beim Einbau muss der g-Wert der Gläser richtig dimensioniert sein. Dann holen Sie über das ganze Jahr gemittelt das Optimum heraus.

Wie weiter oben bereits erwähnt, gibt es dynamische Verglasungen, bei denen sich der g-Wert und die Lichtdurchlässigkeit ändern können.

Sonnenschutzgläser sind auch eine Investition in die Zukunft. In Spanien gibt es zum Beispiel seit Kurzem eine gesetzliche Vorgabe, dass Räume durch Klimaanlagen nur begrenzt gekühlt werden dürfen. Sonnenschutzglas verhindert zuverlässig eine übermäßige Aufwärmung der Gebäude. Somit müssen auch die Klimaanlagen weniger leisten und verbrauchen weniger Strom.

Sonnenschutzglas Kosten

Sonnenschutzglas ist teurer als Standardglas, die Kosten sind abhängig von Material und Verarbeitung. Sonnenschutzglas ist jedoch günstiger als aufwendige Beschattungsanlagen wie Markisen. Zudem sparen Sie Energiekosten, denn Klimageräte werden überflüssig oder können sparsam eingesetzt werden.

DIY – kann man ein Sonnenschutzglas selber anbringen?

Sonnenschutzgläser sollte man nur durch Fachpersonal anbringen lassen. Der Umgang ist technisch anspruchsvoll. Zudem gibt es bei Verglasungen insbesondere Dachverglasungen, gesetzliche Vorschriften. Sie bekommen von Profis fachkundige Beratung, welcher g-Wert, welcher technische Standard für Ihr individuelles Vorhaben notwendig und sinnvoll ist.

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