Absturzsicherung Fenster im Check: Qualität & Kosten

Autor: Franz Wächter
  • Glas-Experte

Sicherheit geht vor! Absturzsicherungen für Fenster

Was ist eigentlich eine Absturzsicherung für Fenster? Soll das Fenster davor bewahrt werden, abzustürzen? Fragen wir dazu doch mal den TÜV Süd: „Absturzsicherungen dienen als Schutz bei Gebäudeöffnungen gegen Abstürze, aber auch z. B. gegen Überklettern von Kleinkindern.“

Da die Bestimmungen für gewerblich genutzte Immobilien zu vielschichtig sind, um sie hier abzuhandeln, konzentrieren wir uns auf die Absturzsicherung in Wohngebäuden.

Eine Absturzsicherung wird immer da verlangt, wo die Brüstungshöhe des Fensters das Mindestmaß von (ortsabhängig) 80 oder 90 cm unterschreitet.

Es geht vorrangig um den Schutz von Menschen. Hierfür wird eine stabile Vorrichtung so vor oder an das Fenster gebaut, dass ein Durchklettern, Durchrutschen oder Überklettern verhindert wird. Das können sehr einfache und schmucklose Stangen sein, es geht aber auch aufwändiger gestaltet und somit gleichfalls als Blickfang dienend.

Funktionsweise einer Absturzsicherung

Eine solche Sicherung wirkt nur bei geöffnetem Fenster, da bei einem geschlossenen Fenster ja kein Durchrutschen möglich ist. Die Absturzsicherung ist in ihrer Wirkungsweise rein statisch. Eine Barriere hindert Menschen oder Tiere daran, durch das geöffnete Fenster nach draußen zu gelangen und abzustürzen.

Vom Gesetzgeber sind folgende Bestimmungen als Minimalstandards vorgegeben:

  • Absturzhöhe 1 Meter bis 12 Meter: 80 cm Höhe der Absturzsicherung
  • Absturzhöhe über 12 Metern: mindestens 90 cm Höhe der Absturzsicherung
  • „Anleiterbare“ Absturzsicherungen für die Feuerwehr: maximal 120 cm Höhe
  • Absturzsicherung muss so stabil sein, dass sie eine 85 kg schwere Person hält

Die sicherste Variante einer Absturzsicherung ist ein Fenster, das nicht oder nur einen Spalt breit geöffnet werden kann. Allerdings muss dann eine splittersichere Spezialverglasung eingebaut werden, die nur vom Fachmann verarbeitet werden darf. Sowohl der Einbau als auch das Glas an sich sind mit recht hohen Kosten verbunden.

Die Bestimmungen der Bundesländer und lokalen Behörden sind da allerdings recht unterschiedlich. Da viele Fenster auch als Notausgänge oder, gerade im Dachbereich, als Zugang für die Feuerwehr dienen, müssen besondere Vorschriften beachtet werden. Genaue Informationen zu den lokalen Vorgaben erfragen Sie bei den örtlichen Behörden.

Kostenfrage

Es gibt viele verschiedene Modelle einer Absturzsicherung. Diese fangen bei einer einfachen Stange an, die vor das Fenster montiert wird, gehen über Gitter bis hin zum sogenannten französischen Balkon. Auch die Variante mit einer Plexiglasscheibe ist möglich.

Wenn Sie sich für eine Absturzsicherung für ein „normales“ Fenster in einer Mietimmobilie interessieren, sollten Sie sich unbedingt im Vorfeld mit Ihrem Vermieter besprechen. Es handelt sich hier nicht um eine gesetzlich vorgeschriebene Vorrichtung, zu deren Umsetzung der Vermieter verpflichtet wäre. Trotzdem wird er sich vielleicht sogar an den Kosten beteiligen, schließlich wird der Wert der Immobilie sogar gesteigert. In jedem Fall muss der Vermieter aber einer Maßnahme zustimmen, wenn sie das Aussehen der Fassade verändert. Bei einem nicht genehmigten Anbau droht gegebenenfalls die Aufforderung zum Rückbau.

 

Wenn der Vermieter einer außen angebrachten Absturzsicherung nicht zustimmt, bleibt Ihnen die Möglichkeit, eine Stange von innen vor dem Fenster anzubringen. Das ist zwar nicht unbedingt formschön, aber effektiv und praktisch.

Auch Hausbesitzer sollten sich unbedingt bei den lokalen Behörden erkundigen, ob der Anbau einer Absturzsicherung erlaubt ist und welche Vorgaben dabei berücksichtigt werden müssen. Die regionalen Bestimmungen sind da absolut nicht einheitlich. Um eventuelle Strafzahlungen und Rückbau zu verhindern, ist vorherige Information unerlässlich.

Eine verbindliche Aussage zu konkreten Kosten können wir nicht pauschal treffen. Als Faustregel gilt aber: je langlebiger und aufwändiger die Absturzsicherung sein soll, desto teurer wird sie auch werden. Dabei spielen dann auch Faktoren wie die Breite des Fensters eine Rolle.

Die einfachste Komplettsysteme zum Nachrüsten gibt es bereits für weniger als 150 Euro; nach oben gibt es keine Begrenzung. Bei neu gekauften Fenstern bieten die meisten Hersteller die Möglichkeit einer integrierten Absturzsicherung gleich mit an. Gegen einen in aller Regel geringen Aufpreis wird das Fenster dann gleich komplett mit der Absturzsicherung geliefert.

Welche Materialien kann ich für eine Absturzsicherung nehmen?

Die meisten Absturzsicherungen sind aus Metall, Glas oder Holz. Jedes dieser Materialien birgt Vor- und auch Nachteile, die wir kurz darlegen möchten.

Holz

  • naturnaher Werkstoff
  • optisch vorteilhaft
  • wetteranfällig und pflegeintensiv

Glas

  • wirkt edel
  • leicht zu pflegen und zu reinigen
  • ungehinderte Lichteinstrahlung
  • hohes Eigengewicht
  • bei nicht zu öffnenden Fenstern Spezialverglasung benötigt
  • dann ist auch die Reinigung kompliziert

Metall

  • viele Gestaltungsmöglichkeiten
  • langlebig und pflegeleicht
  • beeinträchtigt die Lichteinstrahlung
  • immenses Eigengewicht
  • rostanfällig; Edelstahl ist als rostfreie Alternative noch teurer

Bei der konkreten Ausgestaltung haben Sie viele Möglichkeiten, aber auch hier sollten Sie die Kommunikation mit den lokalen Behörden suchen. In einigen Städten und Gemeinden gibt es Beschränkungen in Bezug auf Materialien und Farbgestaltung sämtlicher Außenanbauten. Und Verstöße gegen diese Auflagen gelten nicht als Bagatelldelikte.

DIY – Tipps zum Selbermachen

Natürlich können Sie mit etwas handwerklichem Geschick und dem entsprechenden Werkzeug und den richtigen Befestigungsmaterialien viele Absturzsicherungen selber anbringen. Dazu müssen Sie sich aber den Untergrund, also das Mauerwerk, genau betrachten. Eine Verdübelung im Putz bietet kaum Sicherheit und entspricht damit nicht den Vorschriften!

Arbeiten Sie lieber mit Injektionsdübeln als mit einfachen Dübeln. Bei diesem Verfahren werden verschiedene chemische Komponenten zu einem schnell und stark aushärtenden Mörtel auf Kunstharzbasis verbunden, der ins Mauerwerk injiziert wird und mit diesem quasi verschmilzt. Der Dübel, der in Wirklichkeit eher eine Stange ist, an der etwas angebracht werden kann, wird in das noch nicht ausgehärtete Gemisch eingeführt und erhält dadurch eine sehr hohe Stabilität und Belastbarkeit. Diese Dübel sind für die Befestigung von Absturzsicherungen am besten geeignet, auch wenn sie etwas mehr kosten als herkömmliche Dübel.

Darauf gilt es zu achten

Bei einer Verdübelung in Beton gibt es ebenfalls Spezialdübel, weil Beton weniger spannungsresistent ist als andere Baustoffe. Die Spezialdübel sind aus besonderem Edelstahl. Leider sind diese Dübel tatsächlich noch etwas teurer als die Injektionsdübel.

Es gibt auch Absturzsicherungen, die direkt mit dem Fensterrahmen oder -flügel verbunden werden. Eine Montage in Eigenleistung ist aber nicht zu empfehlen. Die Gefahr, das Fenster irreparabel zu beschädigen, ist sehr hoch. Sinnvoller wäre es, von vornherein ein Fenster einzuplanen, in das eine Absturzsicherung bereits integriert ist. Der Glasbauer Ihres Vertrauens wird Ihnen die für Ihre Bedürfnisse passenden Vorschläge erläutern.

  • Abnehmbare Absturzsicherungen sind aus Sicherheitsgründen grundsätzlich nicht erlaubt, was die Reinigung erheblich erschwert.

Eine Innenmontage wäre zwar theoretisch möglich, wenn die lokalen Vorschriften es nicht verbieten. Allerdings dürfte sich das als nicht so praktisch erweisen, da man dann die Fensterflügel nicht nach innen öffnen kann.

Wenn Sie als ambitionierter Heimwerker Ihre Absturzsicherung selber einbauen wollen, empfiehlt sich der Kauf eines Komplettsystems und die vorherige Beratung mit der örtlichen Baubehörde!

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